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Für Kapitalanleger

Eigentumswohnung oder Mehrfamilienhaus? Rendite und Aufwand im Vergleich

Wer zum ersten Mal in Immobilien investiert, steht früher oder später vor dieser Frage: erst eine einzelne Eigentumswohnung – oder gleich ein ganzes Mehrfamilienhaus? Beide Wege funktionieren, sie unterscheiden sich aber deutlich bei Rendite, Risiko und Aufwand. Dieser Vergleich hilft Ihnen bei der Einordnung.

Lesezeit: 9 Min. Stand: Juli 2026 Von Doll Immobilien

Rendite richtig rechnen

Die meisten Renditeangaben in Immobilienanzeigen sind Bruttorenditen – und die sagen wenig aus. Entscheidend ist, was nach allen Kosten übrig bleibt.

Bruttorendite

Bruttorendite = (Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100

Diese Kennzahl ignoriert Kaufnebenkosten und laufende Kosten. Sie taugt nur für einen ersten Grobvergleich zweier Objekte – nicht für eine Investitionsentscheidung.

Nettorendite

Nettorendite = ((Jahresnettokaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ Gesamtinvestition) × 100

Die Gesamtinvestition umfasst den Kaufpreis plus alle Nebenkosten. Zu den nicht umlagefähigen Kosten zählen Verwaltung, Instandhaltungsrücklage und das kalkulatorische Mietausfallwagnis.

Faustregel für die Praxis. Rechnen Sie mit rund 15 bis 25 Prozent der Jahresnettokaltmiete für nicht umlagefähige Kosten. Wer diese Position weglässt, überschätzt seine Rendite systematisch – und wundert sich später über die erste größere Reparatur.

Zwei Rechenbeispiele

Variante A: Eigentumswohnung für 95.000 €

PositionBetrag
Kaufpreis95.000 €
Kaufnebenkosten (ca. 10 %)9.500 €
Gesamtinvestition104.500 €
Nettokaltmiete monatlich480 €
Jahresnettokaltmiete5.760 €
Bruttorendite6,06 %
abzgl. nicht umlagefähiger Kosten (ca. 20 %)−1.152 €
Überschuss vor Finanzierung4.608 €
Nettorendite4,41 %

Variante B: Mehrfamilienhaus für 480.000 €

PositionBetrag
Kaufpreis (6 Wohneinheiten)480.000 €
Kaufnebenkosten (ca. 10 %)48.000 €
Gesamtinvestition528.000 €
Nettokaltmiete monatlich (gesamt)2.700 €
Jahresnettokaltmiete32.400 €
Bruttorendite6,75 %
abzgl. nicht umlagefähiger Kosten (ca. 22 %)−7.128 €
Überschuss vor Finanzierung25.272 €
Nettorendite4,79 %

Das Mehrfamilienhaus liegt in diesem Beispiel etwas vorn – typisch, weil größere Objekte pro Quadratmeter meist günstiger eingekauft werden. Der Unterschied ist jedoch kleiner, als viele erwarten, und er wird mit deutlich höherem Kapitaleinsatz erkauft.

Vor- und Nachteile im direkten Vergleich

KriteriumEigentumswohnungMehrfamilienhaus
Kapitaleinsatzniedrig – Einstieg ab ca. 40.000 €hoch – meist ab 300.000 €
Renditesolide, meist etwas niedrigerin der Regel höher
Risikostreuunggering – ein Mieter, ein Objektgut – Ausfall einer Einheit verkraftbar
Entscheidungsfreiheiteingeschränkt durch die WEGvoll – Sie entscheiden allein
Verwaltungsaufwandgering, Verwalter vorhandenhoch – Sie sind der Verwalter
Instandhaltungüber Rücklage geregeltvollständig in Ihrer Verantwortung
Wiederverkaufeinfach, großer Käuferkreisschwieriger, kleinerer Käuferkreis
Finanzierungunkompliziertaufwendiger, mehr Eigenkapital nötig

Der unterschätzte Faktor: WEG oder Alleineigentum

Bei einer Eigentumswohnung sind Sie Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Das nimmt Ihnen Arbeit ab – die Verwaltung organisiert Handwerker, Abrechnungen und Versammlungen –, kostet Sie aber auch Entscheidungsfreiheit.

Größere Maßnahmen wie eine neue Heizung, Fassadendämmung oder ein Balkonanbau werden per Beschluss in der Eigentümerversammlung entschieden. Sie können überstimmt werden und müssen dennoch mitzahlen. Umgekehrt kann eine sinnvolle Sanierung an anderen Eigentümern scheitern.

Beim Mehrfamilienhaus entscheiden Sie allein – über Mieterauswahl, Mietanpassungen, Sanierungen und den Zeitpunkt. Diese Freiheit bedeutet aber auch: Wenn nachts die Heizung ausfällt, klingelt das Telefon bei Ihnen.

Vor dem Kauf prüfen. Lesen Sie bei Eigentumswohnungen unbedingt die Protokolle der letzten drei Eigentümerversammlungen und die Höhe der Instandhaltungsrücklage. Dort steht, welche Sanierungen anstehen – und ob dafür Geld da ist oder eine Sonderumlage droht.

Der schrittweise Weg funktioniert oft besser

In der Praxis fahren die meisten privaten Investoren gut damit, mit einer einzelnen Wohnung zu starten. Die Gründe sind pragmatisch:

  1. Sie lernen mit überschaubarem Risiko. Mietersuche, Nebenkostenabrechnung, Steuererklärung mit Anlage V – all das lässt sich an einem Objekt gefahrlos üben.
  2. Die Bank lernt Sie kennen. Ein sauber laufendes erstes Investment ist das beste Argument für die Finanzierung des zweiten.
  3. Sie merken, ob es zu Ihnen passt. Manche Menschen empfinden Vermietung als lästige Pflicht. Das findet man mit einer Wohnung schneller heraus als mit sechs.

Wer bereits Erfahrung mitbringt, über ausreichend Eigenkapital verfügt und den Verwaltungsaufwand realistisch einschätzt, kann den Zwischenschritt überspringen. Für alle anderen ist die einzelne Wohnung der günstigere Lernort.

Häufige Fragen

Welche Rendite ist bei einer Kapitalanlage realistisch?
In der Region Salzgitter liegen Bruttorenditen bei Bestandsimmobilien häufig zwischen 5 und 8 Prozent, die Nettorendite entsprechend bei etwa 3,5 bis 5,5 Prozent. Objekte mit deutlich höherer angegebener Rendite haben meist einen Grund – hoher Sanierungsstau, schwierige Lage oder unsichere Mietverhältnisse.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Kapitalanlage?
Als Faustregel sollten die Kaufnebenkosten von rund 10 Prozent vollständig aus Eigenkapital stammen, plus idealerweise 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises. Bei einer Wohnung für 95.000 Euro wären das etwa 20.000 bis 30.000 Euro. Mehr Eigenkapital verbessert die Zinskonditionen spürbar.
Was sind nicht umlagefähige Kosten?
Das sind Kosten, die Sie nicht auf Mieter umlegen dürfen: Verwaltungskosten, Instandhaltung und Reparaturen, Mietausfallwagnis sowie bei Eigentumswohnungen der Anteil des Hausgelds für die Instandhaltungsrücklage. Kalkulieren Sie dafür 15 bis 25 Prozent der Jahresnettokaltmiete.
Kann ich Kosten steuerlich absetzen?
Bei vermieteten Immobilien ja. Absetzbar sind unter anderem Schuldzinsen, die Gebäudeabschreibung (in der Regel 2 % jährlich bei Baujahr ab 1925), Verwaltungskosten, Reparaturen und Fahrtkosten. Der Grundstücksanteil wird nicht abgeschrieben. Die konkrete Gestaltung sollten Sie mit einem Steuerberater besprechen.
Ist ein Mehrfamilienhaus schwerer wiederzuverkaufen?
In der Regel ja. Für eine Eigentumswohnung kommen sowohl Kapitalanleger als auch Selbstnutzer infrage, was den Käuferkreis deutlich vergrößert. Ein Mehrfamilienhaus spricht fast ausschließlich Investoren an, und die Finanzierungssummen sind höher. Planen Sie beim Wiederverkauf entsprechend mehr Zeit ein.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Angaben zu Steuersätzen und gesetzlichen Regelungen entsprechen dem Stand Juli 2026 und können sich ändern. Für Ihren konkreten Fall wenden Sie sich bitte an einen Notar, Steuerberater oder Rechtsanwalt – gerne empfehlen wir Ihnen passende Ansprechpartner aus unserem Netzwerk.

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